
|
Im Zuge der Feierlichkeiten zum 175jährigen Jubiläum des Hambacher Festes wurde am 1. April in Neustadt an der Weinstraße ein Marathon, der „Hambacher Schloss Marathon“ veranstaltet. Im Rahmen des Hambacher Festes von 1832 wurde die damalige Schlossruine zum Schauplatz der Unzufriedenheit der pfälzischen Bevölkerung über Repressionsmaßnahmen der 1816 eingesetzten bayerischen Verwaltung. Diese hatte in den Folgejahren wichtige Errungenschaften zurückgenommen, die dem Volk in der Zeit der Besatzung durch französische Revolutionstruppen (1797/98–1815) gewährt worden waren. 30.000 Bürger zogen zwischen Ende Mai 1832 auf die Schlossruine. Seit jenem Fest gilt das Hambacher Schloss als Symbol der Demokratie. Der Wettergott meinte es gut mit den Veranstaltern und Teilnehmern, herrschte noch am Samstag Nieselregen und Nebel, fand der Marathon am Sonntag bei strahlendem Sonnenschein und 16 °C beim Zieleinlauf statt, während man beim Start noch etwas fror bei knappen 10°C. Auch der teilweise herrschende Gegen- oder Seitenwind im Tal sorgte zunächst für leichte Gänsehaut. Um 10.00 Uhr fiel der Startschuss für die Marathon- und Halbmarathonläufer, unmittelbar nachdem die deutsche Nationalhymne, gespielt von einer örtlichen Kapelle, verklungen war. Während sich 1832 etwa 30.000 Menschen auf den Weg zum Hambacher Schloss machten, waren es heuer immerhin 2.000 Leute. Der attraktivste und anspruchvollste Teil erfolgte zu Beginn des Marathons, durch den Neustädter Stadtteil Hambach hinauf auf das Hambacher Schloss. Die ersten drei Kilometer war die Steigung noch recht moderat, wodurch die Frage aufkam, wie die 200 Höhenmeter zum Hambacher Schloss bei km 5 zusammenkommen. Doch dann meldete sich mein Nachbar mit der Aussage „Jetzt wird’s fies“, und er hatte recht. Der Straßenverlauf der Freiheitsstraße wurde deutlich steiler bis zum Schloss auf 340 Meter Höhe, abgesehen von einem 500m langem flacheren Übergang. Oben nahmen wir verdientermaßen die erste Verpflegung zu uns, bevor der Abstieg begann. Dabei verpasste ich sogar, einen Blick auf das Schloss zu werfen, den ich dann 50 Höhenmeter tiefer, teilweise verdeckt durch den Baumbestand, nachholen musste. Nun ging es über die Schlossstraße wieder bergab unter anderem durch das malerische, mit zahlreichen Schwarz-Rot-Goldenen Fahnen beflaggten Dorf Diedesfeld, bis man an der Hambacher Mühle bei km 10 das Tal erreicht hatte. Überhaupt sah man allerorten, besonders bei Zuschauern, die Deutschland-Fahne wehen. Geweht habe diese durch den deutlich spürbaren Wind, der zunächst in den Rücken blies, da es sich jedoch um einen Rundkurs handelte, konnte man davon ausgehen, zu einem späteren Zeitpunkt mit Gegenwind konfrontiert zu werden. Etwa bei km 13 am Kreisverkehr des Hauptsponsors „Globus“ trennten sich die Voll- von den Halbmarathonis. Die Strecke war nun flach, abgesehen von einigen Brücken über die B39 und A65. Die Route führte nun über Radwege, Feldwege und gesperrten Landstraßen durch die Neustädter Weindörfer Lachen-Speyerdorf, Duttweiler, Geinsheim und zurück nach Lachen-Speyerdorf, entlang von meist landwirtschaftlich genutzter Fläche. Bei km 29 kam mir der Besenwagen entgegen, dieser befand sich bei km 17 (zwischen km 16 und 29 wurden knapp 3km langer Abschnitt durch Lachen-Speyerdorf in beide Richtungen gelaufen), war somit gerade Richtung Duttweiler unterwegs und sollte mir nicht gefährlich werden können. Nun begann ein etwas einseitiger und anstrengender, 3 km langer Streckenabschnitt, unmittelbar entlang der A65 (Richtung Ludwigshafen), voll im Gegenwind. Das Finale wurde durch die Weindörfer Mußbach, Königsbach und Gimmeldingen gelaufen und führte teilweise mitten durch die Weinanbaugebiete (Wein wurde auf der Strecke allerdings nicht angeboten). Richtung Gimmeldingen mussten noch zweimal giftige Steigungen von je 30-40 Höhenmetern gemeistert werden, ehe man die verbleibenden 2 Kilometer bergab zum Ziel in Richtung Neustadt sprinten konnte. Nach getaner Arbeit wurden uns die Medaillen von zwei Helfern in historischer Kleidung (mit Zylinder) überreicht. Ich erhielt meine Auszeichnung nach 3:45:31 h auf den Straßen Neustadts, während der Sieger Jürgen Wießner in 2:35:21 und die Siegerin Eve Vestweber in 3:13:07 ihre Arbeit verrichteten. Insgesamt erreichten 668 Marathon-Starter auch das Ziel, welches ich als Nummer 182 durchlief. Anschließend konnte man sich beim Sponsor Erdinger mit alkoholfreiem Bier stärken (aber auch andere Erfrischungen standen zur Verfügung). Für ausreichend Duschmöglichkeiten, Kuchen, Kaffee und weiteren Spezialitäten war gesorgt, auch den Kindern boten sich zahlreiche Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Axel Vehreschild
|
|
|
|
||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
Punkte |
Bewertung |
|
Anmeldung |
8 |
Startgebühr betrug je nach Anmeldedatum 29 - 38 Euro, per Überweisung möglich und auch die Abholung der Startunterlagen machte keine Probleme |
|
Organisation |
8 |
An der Organisation gab es nichts auszusetzen, lediglich der Urkunden-Druck zog sich für die Marathonläufer und die einzelnen Abteilungen (Anmeldung, Duschen, Toiletten, Verpflegung) lagen etwas auseinandergezogen, dafür gab es ein reichhaltiges Angebot für den Nachwuchs |
|
Wegstrecke |
10 |
Alles Asphaltiert und in hervorragendem Zustand, durch das gute Wetter war die gesamte Wegstrecke auch trocken, und auch dort, wo die Straße verschmutzt war, ungefährlich |
|
Attraktivität |
3 |
Nach Besichtigung des Hambacher Schlosses folgten Industriegebiete, Äcker, Bauerndörfer und Bundesstraßen, so konnte man sich ruhig auf die Einteilung des Marathons konzentrieren. |
|
Schnelligkeit |
5 |
Der Aufstieg auf das Hambacher Schloss und auch die Weinberge kurz vor dem Ziel kosten Zeit und Kraft, wodurch der Kurs nicht unbedingt für Bestzeiten geeignet ist. |
|
Verpflegung |
8 |
Wasser, Iso, Tee (kalt), dazu Bananen, Äpfel und ich glaube auch Kekse und Zucker, also ausreichende Möglichkeiten, die Verpflegungsstellen waren zeitweise in unterschiedlicher Distanz stationiert. |
|
Zuschauer |
6 |
Trotz der ländlichen Gegend war an vielen markanten Stellen Zuschauer, welche auch lautstark die Teilnehmer anfeuerten |
|
Preise |
6 |
Es gab Baumwoll-T-Shirt (optisch ansprechend), Medaille und Urkunde vor Ort, sowie 1 Flasche hiesigen Weins, soweit Standard für eine Marathon-Veranstaltung |
|
Internet-Seite |
6 |
Sehr übersichtlich mit allen notwendigen Informationen, jedoch hätte man sich früher Bilder, Berichte, News oder auch Online-Ausdruck von Urkunden wünschen können. |
|
Teilnehmer |
8 |
Knapp 700 Marathonis, dazu kamen die Halbmarathon-Teilnehmer, welche die ersten 11 km zusammen liefen, die Strecke war aber gut ausgebaut, so dass es keine Probleme gab |
|
Gesamt |
68 |
|
Axel Vehreschild