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Tirol Speed Marathon
24.06.2006

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Austria

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Die Veranstalter des Tirol Speed Marathon werben mit einer rekordverdächtigen Strecke durch ein Gesamtgefälle von über 700 Höhenmetern. Start ist am Brenner in 1300 m Höhe, das Ziel liegt in Innsbruck auf eine Höhe von 585 Metern. Die Meinungen, ob solch ein Streckenprofil automatisch zu Bestzeiten führen, gehen allerdings auseinander. Also machte ich mich daran, in einem Selbstversuch am 24. Juli (im Zuge der Sommersonnenwende) der Wahrheit auf den Grund zu gehen.

Gut gestärkt bei der Knödelparty im Hilton am Vorabend, ließen sich die Läufer mit Sonderzügen der ÖBB auf den Brenner (Marathonstart) bzw. nach Matrei (Start des Halbmarathons) transportieren, wobei unser Zug verkehrsbedingt vor dem Brenner stehen bleiben musste und die Läufer den abschließenden Kilometer bis zum Start per pedes zurücklegten.

Leider überschnitt sich der Marathon (Start 16.00 Uhr) mit dem Achtelfinalspiel der Deutschen gegen Schweden (Anpfiff 17.00 Uhr), aber einzelne Zuschauer unterrichteten gerade die deutschen Läufer direkt über die Tore von Lukas Podolski. Die Erfahrung der ersten beiden Veranstaltungen zeigte, dass das Wetter ein nicht unbedeutender Faktor des Rennens sein konnte, da bei den Rennen der vergangenen beiden Jahre die Läufer von starken Gewittern mit vereinzelten Murenabgängen gebeutelt wurden. Der Wetterbericht für den Veranstaltungstag schloss dies wiederum nicht aus.

Während Innsbruck 30 °C meldete, hatte der Brenner immerhin noch 25 °C zu bieten. Während der Zugfahrt gab es in Höhe von Matrei jedoch auch einen Regenschauer. Der Start verlief allerdings bei strahlendem Sonnenschein auf italienischem Gebiet zunächst in Richtung Südtirol. Hier lief man nun jene Schleife, welche in vergangenen Jahren erst in Innsbruck absolviert wurde. Die Strecke war zunächst flach. Mein Anfangspuls war umgekehrt proportional zu meinen ersten km-Zeiten (5:09; 4:58; 5:11), was ich allerdings zunächst auf die Temperaturen und die späte Startzeit schob. An der ersten Verpflegungsstelle bei km 5 war das Personal mit der Bereitstellung der Trinkbecher leicht überfordert, was zu geringen Wartezeiten bei mir und den nachfolgenden Läufern führte.

Nun ging es auch erstmalig bergab und schnell ließen sich verlorene Sekunden wieder aufholen. Meine Herzschlag-Frequenz veränderte sich jedoch wenig, wobei ich nicht wusste, ob dies Anlass zur Sorge sein sollte. Jedenfalls fühlte ich mich gut und die km-Zeiten und Podolski-Tore hoben auch meine Stimmung. Bei einem Gefälle von durchschnittlich 5% (maximal 9,5%) kam ich etwa alle 4:35 Minuten an einer Kilometer-Markierung vorbei, vielleicht doch zu schnell ? Jedenfalls durchquerte ich zügig die Orte Gries (1164m) und Steinach (1049m).

Aufgrund zunehmender Wolken und Schattenwurf durch die angrenzenden Berge nahm auch die direkte Sonneneinstrahlung auf die Läufer ab, wobei die Temperaturen weiter auf hohem Niveau blieben. Ich versuchte dann den Wasserschlauch der Feuerwehr zur Kühlung benutzen, unterschätzte allerdings den Durchlauf an Wasser durch den Schlauch und war anschließend komplett durchnässt.

Ab km 15 wurde es dann zunächst quasi flach, dafür nahm der Gegenwind zu, und parallel auch die km-Zeiten. Mein Halbmarathon-Durchgangszeit in Matrei (980m) war mit 1:42:57 immer noch bestzeit-verdächtig, zumal auch die Hoffnung auf stärkeres Gefälle und sinkende Durchgangszeiten den Glauben and den persönlichen Rekord nährte. In der Zwischenzeit flog der Schwede Lucic beim WM-Match gegen Deutschland vom Platz.

Die Versorgung der Läufer klappte einwandfrei und umfassend, was meinen Kräfteschwund allerdings nicht verhinderte. Bereits bevor das Gefälle bei km 27(950m) wieder zunahm, war für mich klar, dass ich beim Tirol Speed Marathon keine Bestzeit aufstellen würde. Das Gefälle half dann lediglich dabei, Gehpausen zu vermeiden, dagegen meldeten die Oberschenkel, dass sie kein Abwärtslaufen mehr wünschten. Die km-Zeiten pendelten sich zwischen 6 und 7 Minuten ein. Deutschland stand derweilen im Viertelfinale.

Mittlerweile war die Sonne auch komplett verschwunden und hatte Gewitterwolken Platz machen müssen. Die verbleibende Stunde meines Marathons musste ich also noch im Regen laufen, aber nicht vergleichbar mit den Unwettern der Rennen 2004 und 2005. 10km vor dem Ziel lief ich unter der Europa-Brücke der Brenner-Autobahn hindurch (790m), weitere 3km später kam die Sprungschanze am Berg Isel in den Sichtbereich, welche wir 3km vor Ende hinter uns ließen.

Schließlich lief ich durch den Innsbrucker Triumphbogen, ohne dass mich ein dem Gebäude adäquates Gefühl erfasste. Nach 4:04:02 überquerte ich die Ziellinie auf der Maria-Theresien-Straße, holte mir die wacker erkämpfte Medaille ab und gönnte mir eine Massage der arg in Mitleidenschaft gezogenen Oberschenkel (dies tat zwar gut, der Treppen-Abwärts-Laufen machte mir jedoch die nächsten Tage enorme Mühe).

Der Sieger Kiptoon Eric-Chepkwony aus Kenia erreichte das Ziel in 2:22:43 , dabei wurde er zumindest nicht nass. Bei den Damen siegte Marinella Curreli aus Italien in 2:55:29 (Gesamtplatzierung 14). Nahezu alle Läufer haben für die zweite Hälfte deutlich länger gebraucht, als für die zweite (der Sieger 10 Minuten, der Dritte 26 Minuten, Die Siegerin 11 Minuten, Ich 38 Minuten), was sich nicht durch das Höhenprofil (1.Hälfte: -320m / 2.Hälfte: -395m) erklären lässt.

Das Streckenprofil ist hier nicht der alleinig aussagekräftige Punkt. Gerade beim Tirol Speed Marathon müssen weitere Faktoren berücksichtigt werden, wie die Temperaturen (im Juli auch am Brenner nicht zu unterschätzen), die Startzeit (am Nachmittag kann die Leistungsfähigkeit eine andere sein als morgens), der Gegenwind (leider die vorherrschende Windrichtung, wenn man vom Brenner hinab nach Innsbruck läuft), die Wetterbedingungen (fragen Sie die Teilnehmer von 2004 und 2005), die Laufeinteilung für dieses Höhenprofil (die wenigsten haben Rennerfahrung mit dieser Art von Strecke). Bei mir hat die Strecke nicht zu einer Bestzeit gereicht, und einer oder mehrere dieser Gründe haben vermutlich zum Einbruch beigetragen.

Allerdings sind die Stadt Innsbruck, die Knödelparty, die Landschaft entlang der Marathonstrecke und die an das Rennen anschließende Sonnenwendfeier wert, diesen Marathon zu laufen, auch wenn die trügerische Hoffnung auf eine persönliche Bestzeit sich bei vielen nicht bewahrheitet hat. Deshalb werde ich meine Medaille nur von der Vorderseite zeigen, und die eingravierte Finisher-Zeit wohlweißlich verbergen.

Axel Vehreschild

Hoehe

Start-Tirol

Tor

 

Sieger

Strasse

Dachl

Axel-Tirol
Banner-Tirol

 

Punkte

Bewertung

Anmeldung

7

weder Anmeldung über Internet, noch vor Ort die Abholung der Startunterlagen hat irgenwelche Porbleme oder Verzögerungen mit sich gebraacht, Meldegebühr lag bei 33 Euro, wenn man schon 2005 wusste, dass man hier läuft, ab Mitte April 46 Euro

Organisation

7

Kleinigkeiten klappten nicht so gut, für die ersten Abholer der Startunterlagen gab es noch keine T-Shirts, die erste n Verpflkegungsstelle war zu knapp besetzt etc., aber der Gesamteindruck ist absolut positiv.

Wegstrecke

10

Die Brenner-Bundesstraße ist in einwandfreiem Zustand

Attraktivität

6

Hauptsachlich bekommt man die Natur des Wippatales zu Gesicht, die Brenner-Autobahn ist auch immer present, von Matrei oder Innsbruck bekommt man nur wenig mit, je nach Wetter ist die Wahrnehmung der Umgebung auch von unterschiedlicher Attraktivität

Schnelligkeit

5

Das Höhenprofil täuscht wohl über die Tatsächlichen Möglichkeiten hinweg, viel wichtiger sind Wind und Wetter bei diesem Marathon

Verpflegung

7

es gab im Grunde alles was man brauchen konnte (Wasser, Iso, später auch Cola, dazu Bananen, Kekse, Snacks), die Orientierung was nicht immer einfach

Zuschauer

6

Volksfeststimmung in den Ortschaften (zumindest solange das Wetter mitspielte), ansonsten der Natur angemessen ruhig

Preise

6

Urkunde, Medaille (gegen Aufpreis mit Gravur) und ein eher einfallsloses T-Shirt, geht auch in Ordnung für die Startgebühr

Internet-Seite

7

Nüchtern und Sachlich mit allen Informationen, ein wenig peppiger und ausführlicher würde das ganze noch aufwerten

Teilnehmer

10

ca. 500 Marathon-Läufer an Start, die Halbmarathonläufer starteten ab Matrei, die Anzahl passte perfekt

Gesamt

71

 

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