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Bratislava Marathon
01.04.2006

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Slowakei

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Am 2. April hatte der Stadtmarathon von Bratislava seine Premiere. An diesem neuen Marathon in der slowakischen Hauptstadt wollte auch ich teilnehmen. Zeitig angemeldet (da man mit einem eingeschränkten Teilnehmerkontingent drohte), erhielt ich die Nummer 7 (von ca. 180 angemeldeten Läufern des Marathons und 141 Zieleinkehrenden), dafür allerdings mit meinem Namen auf der Startnummer. Die Abholung der Startunterlagen musste man am Rathaus auf dem Primacial Platz vornehmen, während der Start, ebenso wie die Veranstaltungen am Tag zuvor auf dem Hviezdoslav Platz durchgeführt wurden. So bekam man einen Eindruck von der historischen Altstadt, welcher einem während des Rennens leider verwehrt blieb.

Aufgrund der Hochwassersituation an der Donau kündigte der Veranstalter zur ursprünglichen Streckenplanung Änderungen bei km 8 und km 40 an. Was dies allerdings für die Marathonläufer tatsächlich bedeutete, wurde erst zu den jeweiligen Zeitpunkten klar. Vom Start her ging es auf der breiten Karadžicova Richtung Ružinov, so dass trotz der Menge der Starter (700 Läufer bei Marathon, Halbmarathon und Viertelmarathon) man frühzeitig frei Laufen konnte. Die Zeitnahme mittels Champion Chip verhinderte auch ein Gedränge am Start.

Nach etwa 5 km (hier stimmte die am Stand angebrachte km-Beschreibung scheinbar noch) wurde erstmalig gewendet und man erreichte die erste Verpflegungsstation. Allerdings galt hier für alle Läufer, welche ihren Durst löschen wollten, Selbstbedienung, da die Helfer mit der Bereitstellung der Trinkbecher nicht nach kamen. Kilometer-Schilder waren ebenso Mangelware, entweder musste man auf die Versorgungsstände (etwa alle 5 km) hoffen, oder man sah die ein oder andere Person mit Kilometer-Schildern in der Hand.

Bei vorgewarntem km 8 (oder waren es schon 10 ?) verließen uns die Kurzstreckler und die Halb-Marathonis kürzten ab, die Marathon-Läufer hatten einen km mehr zu bewältigen (Zweiter Wendepunkt) und liefen an der Nationalgalerie vorbei, weshalb die Angabe der zurückgelegten Strecke am zweiten Versorgungsstand nicht mehr stimmte. Zwischenzeitig sammelte ich eine halbleere Wasserflasche auf, da ich mich eigens um die Getränke-Versorgung kümmern musste. Versorgungsstelle 2 (offiziell km 10, gefühlte und zeitliche eher passender km-Punkt 12) war vor der ersten Donauüberquerung über die alte Donaubrücke.

Nun ging es zunächst einmal weiter ostwärts auf den Donauradweg mit Windunterstützung. Hier hatte man auch aufgrund von Bodenmarkierungen erstmals die Möglichkeit, einige Kilometer lang seine Schnelligkeit zu kontrollieren. Die Polizei zur Abschottung der Strecke war hier, passend zur benachbarten Trabrennbahn, beritten.

Nach weiteren 4 Kilometern war aber dieser reizvolle Abschnitt wieder Vergangenheit (nicht ohne eine Wendemarke einzubauen), und die Läufer zogen durch den Vorort Petržalka, den die damalige Tschechoslowakei in einem städtebaulichen Amoklauf in den 80er Jahren für 120.000 Bewohner hochzog.

Dort unterhielt ich mich mit einem slowakischen Kollegen (Jaromir Szelika), der bei dieser Gelegenheit Werbung für den Marathon seiner Heimatstadt Trnava im Oktober machte. Diesen muss ich noch in meinen Kalender aufnehmen. Er vermutete eine Zielzeit von 3:20 h, doch da sollte er sich noch kräftig irren. Den Stadtteil Petržalka verließ man dann nach etwa der Hälfte der Marathonstrecke über die Neue Brücke mit seinem 80m hohen Aussichtsturm. Am Ende der Brücke trennte man Marathon- und Halbmarathonläufer, diese hatte Ihren Job für heute verrichtet.

Nun hatte sich das Feld deutlich gelichtet. Die Marathonläufer rannten nun unterhalb der Bratislavaer Burg, dem markanten Wahrzeichen der Stadt, auf der Ausfallstraße (Botanicka Cesta) in Richtung Devin. Dort zeigt ein Streckenposten den Kilometerpunkt 22.2 an, da war ich allerdings schon fast 2 Stunden unterwegs. So schlecht habe ich mich aber doch nicht gefühlt.

Weiter ging es nun über die Devinska Ceska entlang der Donau und in Sichtweite der überschwemmten Auen, bis man schließlich bei km 33 (reell) unter regelmäßigem Gegenwind Devin inklusive der Aussicht auf die hiesige Burgruine erreichte. Lauf-Kollege Hartmann Stampfer vermutete hier, dass wir 1 Kilometer mehr zu laufen haben, doch auch er machte die Rechnung ohne den Veranstalter. Zwischenzeitlich versuchte ich mich an der von Sonne aufgeweichten Schokolade, bereute diese Idee aber direkt wieder. Doch zu spät, die Schokolade trocknete direkt auf meinen Finger, und so lief ich den Rest der Strecke mit braunen Fingern.

In Devin wurde (nicht zum letzten Mal, man erinnere sich an de Ankündigung für km 40) gewendet und es ging auf derselben Straße wieder Richtung Zentrum. Zumindest ließ sich aufgrund von Markierungen auf dem Asphalt die Schnelligkeit über etwa 12 km kontrollieren. Man sah auch die Spitzenläufer, die einem entgegenkamen und konnte somit den eigenen Rang errechnen. Ich zählte 57 Läufer vor mir an der Wendemarke Devin.

Schließlich hatte ich nach 3 ½ Stunden und 43 km zurückgelegter Strecke unterhalb der Burg und kurz vor den Hviezdoslav Platz das Ziel vor Augen, doch dann die Überraschung (jene Ankündigung für km 40), wir wurden zu einer weiteren Schleife umgeleitet, wiederum vorbei an der Nationalgalerie und zum abschließenden Wendepunkt. Nun ging es aber doch umgehend zum Ziel und nach 3:43:06 h konnte ich die Ziellinie durchschreiten. Damit landete ich auf Rang 52 von 141 Läufern die beim Marathon das Ziel erreichten.

Der Sieger Bogdan Dziuba aus Polen war hier schon nach 2:33:08 durchgelaufen und hatte dabei glatte 20 Minuten Vorspruch auf den Zweitplatzierten Ondrej Evin aus der Slowakei. Als erste Frau lief Andrea Berešova in 3:10:43 (Gesamt: 15.) durch das Ziel, 33 Minuten vor der nächsten Dame.

In Summe haben die 3 km Streckenverlängerung und der gleichmäßig wehende, nicht zu unterschätzende Gegenwind bei den meisten Läufern wohl enttäuschend schlechte Zeiten hervorgerufen. Es bleibt zu hoffen, dass die Organisation sich von den Pannen (welche sich bei einer Premiere nicht immer vermeiden lassen) nicht entmutigen lässt, sondern dies als Ansporn für zukünftige Marathon-Veranstaltungen sieht, denn es wäre schade, wenn eine Stadt wie Bratislava in den kommenden Jahren wieder ohne eigenen Marathon auskommen muss, denn Sie bringt sicherlich die Voraussetzungen für die Durchführung eines attraktiven Stadtmarathons mit.

Axel Vehreschild

Start-Bratislava

Strasse-Bratislava

Strecke-Bratislava
 

Bruecke-Bratislava

Sieger-Bratislava
Kopf

 

Punkte

Bewertung

Anmeldung

9

per Internet (bei 19 Euro) problemlos, und auch am Samstag die Abholung der Startunterlagen ohne Verzögerung, lediglich die Kontrolle der Daten via Internet war schwierig.

Organisation

5

vorbildlich, was Abschirmung der Strecke und Streckenführung betrifft, mangelhaft bezüglich km-Markierung und Messung der Streckenlänge

Wegstrecke

8

komplett Asphalt, meist in guten Zustand, gerade entlang der Donau perfekt

Attraktivität

4

Bratislava hat deutlich mehr zu bieten, als der Marathon hergibt. Leider wurde die Innenstadtbereiche weitgehend von der Laufstrecke ausgenommen, so blieben Burg, Neue Brücke, Devin und Hviezdoslav Platz die attraktiven, die Vororte Ruzinov und Petrzalka die weniger sehenswrten Blickfänge.

Schnelligkeit

7

die Strecke ist, abgesehen von den beiden Brücken und einigen Wellen flach, doch die Wendepunkte und gerade der Wind sind als Bremse nicht zu unterschätzen.

Verpflegung

4

Schokolade, Zucker, Bananen und Wasser, allerdings fehlte ausreichend Personal zur Bereitstellung von Trinkbechern und Schwämmen, weshalb der Versorgung nicht für alle Teilnehmer gewährleitet war.

Zuschauer

3

An Haltestellen, Kreuzungen und Verpflegungsstellen bekam man Anfeuerungen, ansonsten blieb es ruhig, so richtig hatte die Stadt den Marathon (noch) nicht wahrgenommen

Preise

6

T-Shirt, Pasta-Party, kostenlose Verkehrsmittel-Benutzung und eine Wasserflasche (hätte man sich während des Laufes gewünscht), auch das ist Mindestumfang, aber für die Meldegebühr OK (später per Post noch eine Medaille und eine Teilnahmebestätigung, wurde zuvor aber nicht mitgeteilt).

Internet-Seite

4

das Notwendigste, viele Versprechungen, wie Trainigspläne, Messe-Infos oder Streckenplan wurden nicht umgesetzt, Ergebnisse erst 2 Tage, Photo gar nicht.

Teilnehmer

5

180 beim Marathon, bis zur Hälfte waren es durch die Halb-Marathonis einige mehr, durch die zahlreichen Wendepunkte wirkte der Marathon auch geschäftiger

Gesamt

55

 

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