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Am 5. Oktober 2003 fiel der Startschuss für den 10. Grazer Marathon. Dieser wurde zugleich als erster Kultur-Marathon Europas beschrieben, da Graz 2003 „Kultur-Hauptstadt Europas“ ist. Aus diesem Grund gab es diverse begleitende Aktionen während des Marathons, wie die Klanginstallation „Applaus“ im Burgtor, wo der ChampionChip einen tosenden Beifall auslöst, die Textstrecke von Werner Schandor im Augarten, mit mehrstimmigen, gesprochenen Texten, das Projekt „Gegenläufig, bei dem Simon Pichler auf einem Laufband in Gegenrichtung der Marathonis die 42,195 km zurücklegt oder das interkulturelle Paulustor mit verschiedenen Musikevents sowie viele weitere Aktionen. Die Wetterprognose war trübe, gerade an diesem Tage ging der Sommer zu Ende und sollten Kälte und Nässe die Region überziehen. Da musste die Kleidungs-Wahl gut gewählt werden. Das Wetter hielt sich jedoch erstaunlich wacker, und auf winterliche und regenfeste Kleidung hätte man weitgehend verzichten können. Lediglich den zahlreich entstandenen Pfützen, entstanden in der vergangenen Nacht musste man ausweichen. Gestartet wurde im Stadtteil Eggenberg vor dem hiesigen Schloss. Die breite Ausfallstraße sorgte dafür, dass frühzeitig ausreichend Platz zum Laufen vorhanden war. Die Straße führte nun, leicht bergab in Richtung Zentrum, welches man nach 4 Kilometern erreichte. Nun galt es, 2 Runden von jeweils 19 Kilometer Länge zurückzulegen. Vom Hauptplatz aus ging es in südliche Richtung weiter, zunächst durch den Augarten, dessen nichtasphaltierter Grund trotz der reichlichen nächtlichen Regenfälle erstaunlich gut war. Dem Park folgten Wohnviertel und breite Umgehungsstraßen, welche die Konzentration auf das Laufen ermöglichten. Mehr Zuschauer und Stimmung gab es dann am ersten Staffel-Wechselpunkt bei km 10,55. Die zahlreichen Staffelläufer, die anschließend uns Einzel-Marathonis überholten zehrten allerdings ein wenig an der Motivation. Viele diese Start-Springer wurde im Laufe der folgenden 10 km jedoch wieder eingefangen, bis an der nächsten Wechselmarke die Prozedur wieder von vorne begann. Bei km 19 gab es einen kurzen, fünfminütigen Schauer, der das Laufen um einiges unangenehmer machte, aber es sollte die einzige Feuchtigkeit bleiben, die während des Marathons von oben kam. Mit meinem Lauf bis zur Halbmarathon-Distanz war ich ziemlich zufrieden. Mein Ziel war es, unter 3:40 h zu bleiben, was das Streckenprofil absolut zulassen könnte. Die km-Zeiten lagen recht gleichmäßig zwischen 5:00 min. und 5:13 min., wodurch ich mit 1:48:35 h bei Hälfte ( 10 km in 51:04 min.) eine knappe Minute unter Soll lag. Schließlich ging es wieder in den Bereich des UNESCO-Weltkulturerbes, rechter Seite vorbei an dem noch geschlossenen Zieleinlauf in die zweite Runde. Die Kilometer-Marken (grafisch dargestellt durch Software-Zeichen wie Sanduhr, Pfeil etc.) waren auch angenehmer anzusehen, da nun die rechte Kilometer-Angabe galt, die immerhin um 19 höher war als die linke. Wieder ging es durch Schmiedgasse, Augarten, Fröhlichgasse, Kasernstraße, Ziehrerstraße, Puntigamer Straße über die gleichnamige Brücke (die gleichnamigen Erfrischungen konnte man im Ziel einnehmen) und zurück in den Norden auf der Puchstraße. Meine Zeit für km 30 betrug 2:34:47, immer noch im Plan (die jeweiligen 10 km Zeiten lagen bei 51:04; 51:47; 51:56), die Konstitution der absolvierten Streckenlänge entsprechend. Doch ganz plötzlich besuchte mich der Mann mit dem Hammer, wie zahlreiche meiner Kollegen in der näheren Umgebung auch. Die Zeit für km 31 war 05.28, für km 32: 05.42 und km 33: 05.53. Damit wurde mir klar, das Vorhaben war nicht mehr zu realisieren, jetzt hieß es, einfach ankommen. Doch mit stark schwindenden Kraft wurde das immer mühsamer. Die langgezogenen Straßen Griesgasse, Körösistraße und Grabenstraße erschienen auch deutlich länger als in der ersten Runde. Zumindest hatte man nun weniger Eile an den Verpflegungsstationen, und konnte die Palette der unterschiedlichen Erfrischungen und Stärkungen testen. Bei km 37 und nochmals bei km 39 war es dann soweit, dass ich jeweils Gehpausen einlegen musste. Da waren auch keinerlei Zeiten im Bereich des machbaren, die es lohnte zu erzielen. Lediglich die 4 Stunden Marke wollte ich nicht überschreiten. Nach den Spaziergängen lief sich auch wieder besser und vor den zahlreichen Zuschauern in der Innenstadt wollte ich mir die Blöße eines gehenden, verausgabten und zu schnell loslaufenden Marathonis nicht geben, also biss ich auf die Zähne und trabte (mehr war es wohl doch nicht, wie auch das Zielfoto zeigt) ins Ziel, womit zumindest die 4 Stunden Grenze noch deutlich entfernt blieb. Glücklich im Ziel (wenn auch nicht zufrieden) nahm ich zuerst die Medaille (in Form einer Mini-CD, halt Kunst) entgegen, und anschließend das Puntigamer Bier und die Massage in Anspruch. Mit mir erreichten insgesamt 1319 Marathon-Läufer das Ziel. Als Schnellster bei den Herren lief Charles Cheruiyot aus Kenia in 2:15:27 sowie bei den Damen die einheimische Eva-Maria Gradwohl in 2:42:05, leider blieb beiden der erhoffte Streckenrekord verwehrt.. Als besonderen Service konnte sich jeder Läufer am folgenden Tag im Internet sein eigenes Zielfoto anschauen und auch ein Video ist unter „www.grazmarathon.at“ online verfügbar. Insgesamt betrachtet haben die Veranstalter den Marathon von der Startnummernausgabe, über Start, Verpflegung und Ziel bis hin zur Taschenausgabe sehr gut im Griff, trotz der schon recht hohen Zahl der Teilnehmer am Einzel- und Staffel-Marathon. Axel Vehreschild |
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Axel Vehreschild