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Jungfrau Marathon
07.09.2002

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Schweiz

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Zum Jubiläum wurde der Jungfrau-Marathon an zwei Tagen (7. + 8. September) ausgetragen, wodurch sich die Anzahl der Startplätze verdoppelte. Glück wohl für mich, als Erstmelder wären meine Chancen ansonsten wohl eher gering gewesen, 2002 zu starten. Auch bot sich mir die Gelegenheit, an einem Wochenende sowohl einen Marathon zu laufen, als auch bei einem zu zusehen (vor allem mit der Gewissheit, den Marathon selbst schon überstanden zu haben). Der Jungfrau-Marathon gilt aufgrund der über 1800 Höhenmeter als schwerster Marathon Europas und nicht wenige bezeichnen ihn auch als den Schönsten der Welt.

Zunächst musste man etwas Geduld mitbringen, durch die doppelte Zahl an Teilnehmern dauerte die Abholung der Startunterlagen zumindest bei mir eine halbe Stunde, die Startnummer mit Namen und Nationalflagge war allerdings ähnlich beeindruckend, wie die Räume des Casinos, in denen Anmeldung, Siegerehrung und Sponsoren untergebracht waren.

Start war um 08:45 Uhr, der Himmel nahezu blau und die Temperaturen lagen in Interlaken um die 15 °C. Ähnliches wurde auch für die Mittagszeit auf der Kleinen Scheidegg prognostiziert. In die Startaufstellung durfte sich jeder entsprechend der geschätzten Einlaufzeit einordnen. Für mich bedeutete dies, sich ganz hinten aufzustellen. Als Anhaltspunkt sollte man zur Marathonbestzeit (in meiner Klasse) 1,5 Stunden hinzurechnen, was für mich auf eine Endzeit um die 6 Stunden hinauslaufen würde, damit wäre ich auch gar nicht soweit vom Zeitlimit von 6,5 Stunden entfernt lag, also sollte ich nicht allzu lange trödeln !

Zunächst eine Ehrenrunde durch Interlaken dann Richtung Böningen, Widerswil, Gsteigwiler und Zweilütschinen, wobei die Strecke mit Ausnahme einer kleineren Steigung eben war. Die zweite Steigung gab es nach Lauterbrunnen, wo man auch den ersten Panoramablick auf Jungfrau, Eiger und Mönch genießen konnte. Traumhaftes Wetter, Super Kulisse und reichlich applaudierende Zuschauer. Unterstützt wurden wir Läufer auch durch reichlich Musik, sei es durch Trommeln, Kuhglocken, ein Alphorn, eine Band oder Dudelsack (hat bei mir nicht gespielt), wobei die Kuhglocken-Schwenker nach meinem Eindruck akut Hörschaden gefährdet waren. Enzsprechend die Stimmung in und um Lauterbrunnen, durch eine gelaufene Schleife ging es zeitweise sogar bergab. Meine Halbmarathon-Zeit lag bei 2:06 h, km 26 erreichte ich nach 2:36 h, dann war aber Schluss mit km-Zeiten um die 6 Minuten. Jetzt lag der Aufstieg nach Wengen vor mir, hier musste ich (wie alle in Kollegen in meiner Nähe) vom Laufen ins Gehen wechseln. In Wengen wurde es wieder ebener, auch hier eine super Stimmung, ehe es entlang der Weiden stetig hoch ging.

Vorbildlich über die gesamte Strecke war die Verpflegung mit Wasser, Cola, isotonischen Getränken, Tee, Boullion, Snacks, Bananen, wobei die Entfernung der Verpfelgungsstellen mit gewonnener Höhe zunahm. Mein Flüssigkeitsbedarf nahm parallel zu, während ich zunächst alle 5 km einen Becher zu mir nahm, waren es zum Schluss alle 2 km zwei Becher. Regelmäßig gab es für die Läufer auch die Gelegenheit, sich einer Massage zu unterziehen.

Meine km-Zeiten betrugen nun etwa 10 Minuten. Dies ging so bis km 39, dann kam nämlich jene berüchtigte Mörane, bei der man auf 2 km Länge auch über 500 m Höhe bis auf 2205 m gutmacht, ehe es wieder ein wenig bergab geht. Die Bewegung gleicht eher Treppensteigen als Laufen und das Panorama und die Aussicht, in 3 km ist alles überstanden motivieren da mehr, als der Blick auf die Läufer hunderte von Metern über einem. Für km 40 brauchte ich 16 Minuten, für km 41 über 20 Minuten (entspricht 2,7 km/h !), was auch nur zu glauben ist, wenn man es selbst erlebt hat. Kurz vor dem Gipfel begegnet man den legendären Dudelsack-Spieler, nun ist das Ziel nicht mehr fern.

Noch ein kurzer Sprint zum Ziel an der kleinen Scheidegg und nach 5:39 h (hoffentlich mein zeitlich längster Marathon aller Zeiten) entkräftet aber zufrieden lasse ich mir die (goldene) Medaille umhängen. Dann noch einige hundert Meter bergab (das finden meine Muskeln nicht so toll) zur Gepäckaufbewahrung und weitere mehrere hundert Meter zum Finisher-Trikot und zu den (warmen !) Duschen, aber das gehört wohl dazu, wenn man sich schwerster Marathon Europas bezeichnet. Bergab geht es per Bergbahn in den Regen von Interlaken, da weiß man nochmal zu schätzen, dass das Wetter hervorragend war.

Axel Vehreschild

Plan

Medaillen-Jungfrau

Interlaken

Scheidegg

Dudelsack

 

Punkte

Bewertung

Anmeldung

5

70 €, lange Wartezeiten bei der Startnummern- Ausgabe, der Marathon verlangt auch vorher viel

Organisation

10

die Schweizer verstehen ihr Handwerk, vom Warmmachen bis zum Duschen, alles perfekt

Wegstrecke

6

Bei Lauterbrunnen und an der Mörane nicht immer ideal, ansonsten glatter Asphalt

Attraktivität

10

Europas wohl schönster Marathon bietet traumhafte Aussichten nicht nur auf die Jungfrau

Schnelligkeit

1

Europas schwerster Marathon mit 1880 Höhenmetern braucht viel Zeit

Verpflegung

10

Wasser, Iso, Cola, Tee, Banane, Snacks, Boullion und das zum Schluss alle 2 km

Zuschauer

8

Volksfeststimmung in Wengen und Lauterbrunnen und auch der Rest der Strecke gut besucht

Preise

8

Funktions-Finisher-T-Shirt und goldene Medaille und Urkunde, vom feinsten

Internet-Seite

7

nicht immer übersichtlich, aber viel Infos vor und nach dem Marathon

Teilnehmer

9

3500 gut trainierte Teilnehmer pro Rennen garantieren nahezu perfekte Auslastung

Gesamt

74

 

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